Chopin Biographie, Werke, Bilder, Portraits, Zitate
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Chopin als Pianist

Chopin war kein Konzertpianist im eigentlichen Sinne. Abgesehen von der Reise nach England im Jahre 1848 unternahm er keine einzige Konzerttournee. Er übte wenig und seinen Lebensunterhalt bestritt er fast ausschließlich aus seinen Einnahmen als Lehrer und Komponist.

In seinem ganzen Leben hat Chopin nur etwa 30 öffentliche Konzerte gegeben, davon fünf in Warschau, je eins in Dusznik und in Breslau, drei in Wien, eins in München, zwölf in Paris, drei in London sowie je eins in Rouen, Mancheser, Glasglow und Edinburgh. Außerdem war Chopin in den Konzerten, wie damals üblich, so gut wie nie der einzige Künstler. Insbesondere in Wohltätigkeitskonzerten war er lediglich einer von mehreren Musikern – meistens aber der berühmteste. Hinzuzufügen ist, dass seine Konzerte, zumindest die späteren, meistens nur sehr bedingten Beifall fanden.

So konnte geschehen, was Alfred Cortot eine "heimliche Berühmtheit" nannte, wörtlich schrieb er: „Wir erleben hier das seltene Wunder des Berühmtwerdens unter Ausschluss der Öffentlichkeit.“

Auch Liszt äußerte sich ähnlich: " … nur selten und in großen Abständen hat sich Chopin öffentlich hören lassen. Was aber für jeden anderen der sichere Weg zum Vergessenwerden und zu einem bedeutenden Dasein gewesen wäre, verschaffte ihm im Gegenteil ein über allen Launen und Moden erhabenes Ansehen, und wurde ihm eine Schutzeinrichtung gegen Neid, Eifersucht und Ungerechtigkeit. Indem sich Chopin von dem rastlosen Treiben fern hielt, das seit einigen Jahren die Virtuosen des gesamten Erdkreises durcheinander und gegeneinander drängt, ist er doch beständig von treuen Anhängern umgeben geblieben …"

Zwar spielte Chopin gelegentlich in den privaten Soiréen des Adels und der reichen Bürgerschicht – der Gedanke, in einem Konzertsaal vor einem großen Publikum spielen zu müssen, belastete ihn jedoch zeitlebens sehr.

Seine Stärke war zweifellos das Improvisieren, und zwar seit seiner frühesten Jugend. Auch bei seinen mehr oder weniger spontanen, aber umso berühmteren Auftritten in den Salons der Pariser Gesellschaft improvisierte er meistens. Nur selten spielte er bei einer solchen Gelegenheit eines seiner gedruckten Werke. In seinen öffentlichen Konzerten bevorzugte er entweder eines seiner beiden Klavierkonzerte oder seine kleineren Kompositionen: Mazurken, Walzer, Nocturnes und einzelne Préludes oder Etüden. Werke anderer Komponisten spielte er dagegen so gut wie nie.

Nach seinen wenig erfolgreichen Pariser Konzerten im Jahre 1835 – die Kritiker bemängelten erneut, dass man sein Spiel kaum hören konnte und der Beifall überwiegend von seinen Freunden gekommen sei – zog er sich gekränkt und enttäuscht für beinahe sechs Jahre fast völlig aus dem öffentlichen Konzertleben zurück. Einige Biographien behaupten zwar, Chopin habe keineswegs so selten konzertiert; während seiner beiden Aufenthalte in Deutschland wäre er zum Beispiel mehrfach öffentlich als Pianist aufgetreten. Diese Meinung resultierte aus einer Notiz, die am 18. Oktober 1835 in der „Gazette Musicale“ erschienen war. Der Artikel berichtet von Chopins Reise, die ihn über Karlsbad, Marienbad, Dresden und Leipzig geführt hatte, und lautet: „Einer der namhaftesten Pianisten unserer Zeit, Frédéric Chopin, ist kürzlich nach Paris zurückgekehrt. Auf seiner Deutschlandreise war er Gegenstand fortgesetzter Huldigungen. Allerorten erregte sein hervorragendes Talent die erfreulichten Begeisterungen.“ Der Bericht, der von seinem Verleger Schlesinger – gleichzeitig auch Eigentümer der „Gazette Musicale“ verfasst worden war, verschwieg, dass Chopin lediglich nach Karlsbad gereist war um dort seinen Vater, dem die Warschauer Ärzte den Sprudel des weltbekannten Badeortes.

Dieser Artikel wird in nächster Zeit vervollständigt!

Quellenangaben

(Textauszug aus "Frédéric Chopin, Briefe und Zeitzeugnisse", Hans Werner Wüst, ISBN 3-8311-0066-7)

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