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Chopins Krankheiten

Chopin litt vermutlich seit seiner Kindheit an einer fortschreitenden kavernösen Lungentuberkulose. Infolge dieser Erkrankung kam noch kurz vor seinem Tod eine Kehlkopf- und Dünndarmtuberkulose hinzu und Ödeme in den Beinen deuten auf eine Erkrankung der rechten Herzkammer hin, die jedoch ebenfalls im Zusammenhang mit der Lungentuberkulose gesehen werden muss.

Gestorben ist Chopin letztlich an Herzversagen, verursacht durch die extreme Herz- und Kreislaufbelastung infolge der Tuberkulose. Da Chopins jüngere Schwester Emilia im Jahre 1827 ebenfalls an Lungentuberkulose gestorben ist, könnte er sich bereits in seiner Jugend bei ihr angesteckt haben.

Die Frage, wann und von wem Chopin sich angesteckt hat, ist letztlich aber auch bedeutungslos. Schließlich waren damals die meisten Menschen in Mitteleuropa mit den Erregern dieser schrecklichen Krankheit infiziert. Zum Ausbruch kam sie aber nur bei einem relativ kleinen Teil der Infizierten.

Nach dem Tod seines Vaters litt Chopin außerdem an Depressionen sowie an einer Neuralgie (Gesichtszucken).

Die Lungentuberkulose trat – dem üblichen Krankheitsverlauf entsprechend – in Schüben auf und verschimmerte sich das erste Mal im Jahre 1838 während der Reise nach Mallorca mit George Sand. Ab 1843 war Chopin so schwach, dass er kaum noch Treppen hinaufgehen konnte, und vom Jahre 1847 an musste er sich von seinem Diener auf allen Treppen tragen lassen, und zwar nicht nur hinauf, sondern auch herunter.

Gegen die Tuberkulose gab es zu dieser Zeit bekanntlich noch keine wirksame Therapie. Die von Chopin konsultierten Ärzte verordneten ihm verschiedene Medikamente, überwiegend homöopathischer Art, Diät und viel Ruhe – glücklicherweise aber keine Aderlässe, obwohl das damals durchaus noch üblich war.

Dass Chopin mit dieser schweren Krankheit überhaupt so lange gelebt hat, verdankt er zweifellos der guten medizinischen Betreuung. Von den zahlreichen Ärzten, die ihn behandelt haben, sind alleine 33 namentlich bekannt, darunter befanden sich die berühmtesten Kapazitäten der damaligen Zeit.

Chopins Lungentuberkulose, die sich in den ersten Jahren der Erkrankung kaum bemerkbar machte, verstärkte sich – ebenfalls gemäß dem typischen Krankheitsbild, insbesondere im Zusammenhang mit starken körperlichen und seelischen Belastungen.

Die Krankheit äußerte sich zunächst in Atembeschwerden und Husten, später in schwerer Atemnot und blutigem Husten, dem so genannten Blutsturz.

Von Gräfin d´Agoult stammt das etwas zynische Zitat. „Chopin hustet mit unendlicher Anmut.“ Und obwohl George Sand ihn manchmal etwas ironisch als „Mein Immerkranker“ oder „Mein geliebter Toter“ bezeichnete – und er mit Sicherheit auch hypochondrisch veranlagt war – ertrug er seine Krankheit, zumindest nach außen hin, mit großer Gelassenheit und Selbstkontrolle, manchmal auch mit bitterer Ironie. An einen Freund schrieb er „Ehe ich mich morgens ausgehustet habe, ist es bereits zehn Uhr.“

Im Jahre 1838 verbrachte die Schriftstellerin George Sand mit ihrem Freund, dem rheumakranken Frédéric Chopin, einen Winter auf Mallorca. Der als erholsame Kur gedachte Aufenthalt auf der tatsächlich schwer verregneten, kühlfeuchten Mittelmeerinsel geriet jedoch zu einem deprimierenden Fiasko:

Als Kranker war der arme große Künstler unausstehlich. Was ich befürchtet, leider aber nicht gründlich durchdacht hatte, traf ein. Er verzagte vollkommen. Obwohl er sein Leiden recht mutig ertrug, konnte er seiner erregten Phantasie nicht Herr werden. Das Kloster war ein Ort der Schrecken und der Geister für ihn, auch wenn er in guter Verfassung war. Er sprach nicht darüber, aber ich ahnte es. Wenn ich mit den Kindern von unseren nächtlichen Streifzügen durch die Klosterruinen zurückkam, fand ich ihn um zehn Uhr bleich an seinem Klavier; sein Blick war verstört, und es schien, als stünden seine Haare zu Berge. Er brauchte eine Weile, bis er uns erkannte. Dann brach er in ein gezwungenes Lachen aus und spielte uns herrliche Musik vor, die er gerade komponiert hatte, oder genauer gesagt die Vertonung von schrecklichen und quälenden Vorstellungen, die sich seines Unterbewußtseins in dieser Stunde der Einsamkeit, des Trübsinns und des Entsetzens bemächtigt hatten.

Trotz der Schwere seiner Krankheit versuchte Chopin so lange wie möglich täglich zu arbeiten. Er beschäftigte sich mit der Fertigstellung begonnener Kompositionen sowie mit der Ordnung seiner Manuskripte. Dazu Franz Liszt: „In dieser täglichen Arbeit, die „der Seele Sturm beschwört“ (Friedrich von Schiller: „Die Ideale“), wollte er zweifellos das Vergessen suchen, das die Arbeit hin und wieder gewährt, wobei das Gedächtnis, wenn nicht ausgeschaltet, so doch irgendwie eingeschläfert wird.“

Einige Monate vor seinem Tod begann Chopin an der Kunst seiner Ärzte zu zweifeln. In einem Brief an einen Freund schrieb er:

„… Sie tasten an mir herum und verschaffen mit trotzdem keine Erleichterung. Darüber sind sie sich alle einig: Gutes Klima – Stille – Ruhe. Ruhe werde ich eines Tages haben, aber ohne sie…“

Als Chopin am 24. November 1848 wieder in Paris eintrifft, ist er bereits so krank, dass er kaum noch seine Wohnung verlassen kann. Mit Bestürzung erfährt er, dass sein Hausarzt Dr. Molin, der ihn vor allem schonend und überwiegend mit homöopathischen Mitteln behandelt hatte, zwischenzeitlich verstorben sei.

Es ist Chopin jetzt nicht mehr möglich zu arbeiten. Er kann weder komponieren noch unterrichten und an ein Konzert ist überhaupt nicht mehr zu denken. Er ist in jeder Hinsicht auf fremde Hilfe angewiesen. Zum Glück kümmern sich seine Freunde, insbesondere die Geschwister Stirling, die auch wieder in Paris sind, sehr um ihn.

Im Juni zieht Chopin in die Rue de Chaillot Nr. 74. Da sich zu diesem Zeitpunkt sein Gesundheitszustand weiter verschlechtert hat, bittet er seine Schwester Ludwika in einem für seine Verhältnisse langen Brief eindringlich, zu ihm nach Paris zu kommen:

Mein Leben! – Wenn Ihr könnt, so kommt!

Ich fühle mich sehr schwach, und kein Arzt wird mir so helfen wie Ihr. Wenn es Euch an Geld fehlt, so leiht es Euch aus. Wenn ich mich besser fühle, werde ich es leicht verdienen und es dem zurückgeben, der es Euch geliehen hat; doch jetzt bin ich zu arm, um Euch etwas schicken zu können. Meine Wohnung hier in Chaillot ist groß genug, um Euch aufzunehmen, selbst mit den Kindern… Ich bin voller Hoffnung. Ich verlange selten etwas Besonderes, und auch dies hätte ich unterlassen, wenn nicht alle, die mir Gutes wünschen, mich dazu gedrängt hätten.

Also rühr Dich, Herr Kalasanty! Dafür wirst Du von mir eine ausgezeichnete Zigarre bekommen. Ich kenne hier jemanden, der gerne gute Zigarren raucht…

Ich hoffe, dass mein Brief zu Mütterchens Namenstag angekommen ist, dass ich also in Eurer Mitte nicht gefehlt habe.

Ich will an all das gar nicht denken, weil mich sonst gleich das Fieber packt, und ich habe jetzt Gott sei Dank, kein Fieber, was alle ordentlichen Ärzte aus der Fassung bringt und ärgert.

Euer treuer, aber auch schwacher Bruder.

(Chopin a, 25./26. Juni 1849 aus Paris an seine Schwester Ludwika in Warschau.)

Am 9. August 1849 trifft Ludwika in Paris ein. Etwa vier Wochen später zieht Chopin auf Anraten der Ärzte in eine „sonnige“ Wohnung an den Place Vendôme Nr.12

Mitte Oktober 1849 verschlimmert sich Chopins Zustand dramatisch. Die Symptome lassen weder Zweifel noch Hoffnung zu. Seine Schwester Ludwika sowie Freunde und Bekannte sind jetzt abwechselnd bei ihm. Es ist ihm kaum noch möglich, vernehmlich zu sprechen. Die Verständigung erfolgt im Flüsterton sowie durch Gebärden- und Handzeichen.

Drei der bekanntesten Pariser Ärzte, Jean Cruveilhier, Pierre Louis und Jean-Gaston Blache, ohne Zweifel hervorragende Fachleute, tun ihr Bestes – und können doch nicht mehr helfen. Die Lungentuberkulose hat mittlerweile auf den Kehlkopf und den Darm übergegriffen und aufgrund der starken Belastung des Herzens haben sich Ödeme in den Beinen gebildet. Chopin leidet an Atemnot und Erstickungsanfällen. Er weiß selbst, dass es keine Heilungsmöglichkeit mehr gibt.

Obwohl er in seinen Beziehungen zu den ihn umsorgenden Menschen zurückhaltend bleibt und auch nicht verlangt, jemanden zum letzten Mal zu sehen, benachrichtigt man auf seinen Wunsch hin die in Nizza lebende Gräfin Delfina Potocka, die am Sonntag, den 15. Oktober 1849 in Paris eintrifft und ihn sofort besucht.

Seit 1830 – als Chopin die Sängerin auf dem Weg zu seinem zweiten Wiener Aufenthalt in Dresden kennen gelernt hatte – kolportierte man, dass sie seine „heimliche Liebe“ sei. Konkrete Hinweise hierfür gibt es jedoch nicht. In jedem Fall empfand Chopin für die Gräfin Potocka, der er im Übrigen auch sein 2. Klavierkonzert widmete, tiefe Gefühle, so dass sie unbedingt neben Konstanza Gladkowska, Maria Wodzinska und George Sand genannt werden sollten.

Nach der Ankunft der Gräfin holt man auf Chopins Wunsch das Klavier aus dem Salon und stellt es in das Schlafzimmer. Die Gräfin singt, sich selbst auf dem Klavier begleitend, einen Psalm von Marcello und mehrere Arien.

Mit der Begründung, dass der Sterbende seine Sünden nicht mehr laut und verständlich bekennen könne, verweigert der am nächsten Tag gerufene Priester zunächst der Erteilung der Heiligen Ölung. In der folgenden Nacht geht es Chopin sehr schlecht. Auf die Frage des anwesenden Arztes, ob er sehr leide, antwortet er: „Ne plus“ („Nicht mehr“)

Am frühen Morgen des 17. Oktober 1849, gegen zwei Uhr, stirbt Chopin. Solange Sand-Clésinger und einige andere nahe Freunde, darunter auch sein ehemaliger Schüler Adolf Gutman, sind bei ihm.

Quellenangaben

(Textauszug aus "Frédéric Chopin, Briefe und Zeitzeugnisse", Hans Werner Wüst, ISBN 3-8311-0066-7)

Lesen Sie genauer: Chopins Tod Chopins Tod

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