Chopin Biographie, Werke, Bilder, Portraits, Zitate
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Chopins Geliebte: George Sand

Erste Eindrücke

Mit 26 Jahren begegnet Chopin 1836 zum ersten Mal George Sand, der damals in ganz Europa bekannten Schriftstellerin. Doch diese Dame gefällt ihm absolut nicht. Eine von ihr ausgesprochene Einladung, sie auf ihrem Landsitz zu besuchen, lehnt er sogar ab. In einem leider nur fragmentarisch erhaltenen Brief an seine Eltern schreibt er:

"... Ich habe eine große Berühmtheit kennengelenrt: Madame Dudevant, bekannt unter dem Namen George Sand. Ihr Gesicht ist mir nicht sympathisch, eigentlich hat sie mir überhaupt nicht gefallen. Es ist an ihr sogar etwas, was mich abstößt. ..."

Weiters hat man Chopin einmal über sie sagen hören:

"Was für eine unsympathische Frau sie doch ist! Istīs denn wirklich eine Frau?"

Doch umgekehrt ist George Sand sofort von Chopin begeistert. Sie ist fest entschlossen, ihn zu erobern. Der berühmte Pianist kommt ihr gerade recht. Und was sie sich vorgenommen hat, das will sie auch durchsetzten.

Einen kleinen Zettel mit der vermutlich ersten für Chopin bestimmten handschriftlichen Notiz "Man bewundert Sie. George." bewahrte Chopin bis an sein Lebensende auf. Man fand diese Notiz nach Chopins Tod unter seinen privaten Dokumenten.

George Sand (1804 - 1876)

Portrait: George Sand, Schriftstellerin, AutorinGeboren wurde sie als Aurore Dupin am 1. Juli 1804 in Paris. Sie wächst bei ihrer Großmutter auf dem Landgut Nohant südwestlich von Paris auf. Nach dem Tod ihrer Großmutter heiratet sie den Artillerieleutnant Baron Casimir Dudevand und mit 21 Jahren bekommt sie ihr erstes Kind, ihren Sohn Maurice. Kurz nach der Geburt wird sie die Geliebte eines anderen Mannes. Die Ehe mit Dudevand zerbricht. Nacht acht Jahren Trennung lässt sich Aurore scheiden. Im Jahr 1828 bringt sie ihre Tochter Solange zur Welt. Der Vater ist bis heute unbekannt.

Drei Jahre später geht sie zurück nach Paris. Um Geld zu verdienen, beginnt sie, Artikel, Glossen und Romane unter dem Pseudonym J. Sand zu verfassen. Später ersetzte sie das J durch den Vornamen George.
Mit ihrem Geliebten Jules Sandeau - daher ihr Pseudonym - gab sie drei Zeitschriften heraus.

"Ich habe ein Ziel, eine Aufgabe (...). Der Beruf des Schreibens ist eine glühende, fast unzerstörbare Leidenschaft."

Mehr als 35 Romane schreibt sie im Laufe ihres Lebens - vor allem über Frauenschicksale -, wird jedoch als Schriftstellerin verkannt. Der Philosoph Nietzsche beschimpft sie sogar als "Schreibkuh". Mit ihrer Arbeit kämpfte George Sand für die Gleichberechtigung. Auf Grund ihrer Forderung nach totaler Freiheit für die Frau kann sie als eine der ersten französischen Frauenrechtlerinnen angesehen werden.

"Es gibt nur eine Wahrheit in der Politik: das Gerechte."

George war zu der Zeit, als sie Chopin kennenlernte, die erfolgreichste Schriftstellerin Frankreichs. Ihr brillianter Verstand und ihr hervorragendes schriftstellerisches Talent, aber auch ihre grenzenlose Egozentrik waren berühmt und berüchtigt. Sie rauchte Zigarren, trug manchmal Männerkleidung und die Reihe ihrer abgelegten Liebhaber war lang.

Das ungleiche Paar

Nicht nur in der damaligen Pariser Gesellschaft, sondern auch noch viele Jahre später diskutierte man über die Gründe der - nach anfänglichen Zögern - ungewöhnlichen Liebesbeziehung. Die Ungleichheit, teilweise sogar Gegensätzlichkeit ihrer Persönlichkeiten, war offensichtlich. Ein Zeitgenosse formulierte etwas überspitzt:

"Er ist so ladylike und sie ein vollendeter Gentleman!"

Einerseits war man sich darüber einig, dass es nicht viele Paare gab, die so wenig für das tägliche Beisammensein geschaffen waren wie diese beiden. Andererseits mussten auch die Spötter zugeben, dass ihrer adelige Herkunft sehr gut zu seinem aristokratischen Charakter passte und ihre Geistesgaben, ihr energisches Temprament sowie ihre praktische Lebensvernunft die scheue und zurückhaltende Persönlichkeit sowie die etwas weltfremde und unentschlossene Lebensart Chopins ebenfalls sehr gut ergänzten. Außerdem waren die beiden der gesellschaftliche Glanz- und Mittelpunkt der Pariser Salons.

Jedenfalls hat George Sand bei ihrem zweiten Annäherungsversuch mehr Erfolg: Noch im November des Jahres 1838 reist Chopin zusammen mit ihrund ihren beiden Kindern Solange und Maurice nach Mallorca. Die Reise soll Chopins Erholung dienen.

zum Artikel "Ein Winter auf Mallorca"

Dieser Mallorca-Aufenthalt endet beinahe in einem Fiasko. Nur aufgrund einer vorzeitigen Abreise sowie durch Hilfe eines franzäsischen Arztes gelingt es Chopin, bis nach Nohant, dem Landsitz George Sands, zurückzureisen.

Chopin war ein sehr bescheidener und zurückhaltender Mensch. In seinem Wesen passte er so in der Rolle als Musiker kaum in das Bild der damaligen Gesellschaft, die sich mehr nach "tragischen" Genies mit heftigen Gefühlsausbrüchen sehnte. So legten sich die Leute das Bild eines zerbrechlichen, sensiblen und zuweilen wehleidigen Mannes zurecht. George Sand schrieb über ihn:

"Der arme große Künstler war ein unleidlicher Patient (...) die Falte in einem Rosenblatt, der Schatten einer Fliege peinigten ihn bis aufs Blut."

Obwohl Chopin und George Sand von 1838 bis 1847, also fast neun Jahre lang, eine enge Liebesbeziehung hatten - von der im übrigen auch "ganz Paris" wusste - und beide in dieser Zeit mehrfach ihre Unterkünfte wechselten, lebten sie stets in getrennten Wohnungen. In diesem Zusammenhang muss man jedoch berücksichtigen, dass in der damaligen Zeit eine gemeinsame Wohnung Unverheirateter, also im Konkubinat lebenden Paaren, absolut unüblich war. Außerdem war die räumliche Trennung nur äußerlich. So wohnten sie ab Ende 1841 in der Rue Pigalle Nr.16, in zwei nebeneinander gelegenen Doppelhäusern, und ihre Wohnungen am Square d'Orléans, die sie im August 1842 durch die Vermittlung von Julian Fontana angemietet hatten, befanden sich in den ebenfalls benachtbarten Häusern Nr.5 und Nr.9. Im übrigen hielt sich Chopin nach den Berichten von zeitzeugen ohnehin fast ausschließlich bei George Sand auf unf ging nur zum Unterrichten in seine eigene Wohnung.

Spannungen

Im Jahre 1845 gibt es erstmals größere Spannungen zwischen den beiden - gegenseitige Eifersucht sowie Probleme mit den beiden Kindern von George Sand sind die Gründe. Der Konflikt wird außerdem dadruch geschürt, da Maurice der bevorzugte Liebling seiner Mutter ist, während Solange, die bereits während ihrer Pubertät Chopin mehr oder weniger deutliche Avancen gemacht hatte, weiderum mit Chopin sympathisiert. Chopin an seine Schwester:

"Gestern wurde ich von Sol unterbrochen, damit ich mit ihr vierhändig spiele. Heute, damit ich mir ansehe, wie ein Baum gefällt wurde. ... Ich komme eben von einem Spaziergang mit Sol zurück, die mich im Kabriolett mitgenommen hat. ... Sol, die mir gerade etwas Schokolade zum Knabbern gebracht hat, lässt mich schreiben, dass sie Sich umarmt. Sie hat ein gutes Herz. ..."

Die familären Auseinandersetzungen verschärfen sich zusätzlich, als George Sand Anfang September 1845 Augustine Brault, Tochter einer entfernten Cousine, adoptiert, die darauf ebenfalls nach Nohant zieht. Die Sache ist für den in dieser Beziehung sehr empfindlichen Chopin deshalb ärgerlich, weil sich bereits nach kurzer Zeit zwischen Augustine und Maurice ein Liebensverhältnis entwickelt, obwohl Maurice zu diesem Zeitpunkt bereits einer anderen Dame die Heirat versprochen hat. Als Chopin George Sand auf das intime Verhältnis zwischen den Stiefgeschwistern hinweist, eskalieren die Streitigkeiten derart, dass Maurice in einem Streit seiner Mutter vor die Wahl stellt, zwischen ihm und Chopin zu entscheiden.

Als Folge dieser, für den sensiblen Chopin unerträglichen Auseinandersetzungen, reist er am 20. September 1845 vorzeitig nach Paris zurück. Fraglich ist, ob zu diesem Zeitpunkt zwischen ihm und George Sand überhaupt noch eine körperliche oder sogar leidenschaftliche Liebesbeziehung bestand. Zwar hat George Sand in ihrem Leben unvorstellbare Mengen Papier beschrieben - über dieses Thema schwieg sie jedoch beharrlich. Lediglich in einigen Briefen aus dem Jahr 1848 erwähnte sie, dass sie bereits seit sieben Jahren wie eien Nonne lebe, sich zum Leidwesen Chopins ihm gegenüber "verweigert" hätte und mehr die Rolle einer mütterlichen Krankenschwester ausübe. Zweifel sind freilich angebracht, denn mit ihrer Ehrlichkeit und Treue hat es George Sand ohnehin nie besonders genau genommen. Chopin selbst hat sich zu diesem Thema zu keinem Zeitpunkt geäußert, und er hätte dies gewiss auch nie getan.

Trennung

Im Jahre 1846 verbringt Chopin das letzte Mal seine Sommerferien in Nohant. George bleibt jedoch noch weitere drei Monate mit ihren Kindern dort. Kurze Zeit nach seiner Abreise schickt sie auch Chopins Pleyel-Flügel und sein Pianino nach Paris. Damit wird die Trennung von George Sand endgültig bestätigt.

Über die folgenden Monate schrieb Franz Liszt in seiner Chopin-Biographie:

... Chopin sprach damals oft und fast mit Vorliebe von George Sand, und zwar ohne Bitternis und ohne Anschuldigungen. Sprach er vonn ihr, dann traten ihm die Tränen in die Augen, doch er gab sich mit einer Art brennenden Schmerz der verliebten Rückerinnerung an vergangene Tage hin. ...

Obwohl Chopin und George Sand noch bis Anfang des Jahres 1848 verschiedene gesellschaftliche Verpflichtungen gemeinsam wahrnehmen, ist das Ende ihrer Beziehung bereits allgemein bekannt. Die Persönlichkeiten der beiden und ihre Einstellungen zu allen Fragen des Lebens waren zwar sehr stark ausgeprägt - unglücklicherweise aber in völlig verschiedene Richtungen. Und obwohl George stets eine teife Bewunderung für Chopins Individualität hatte und auch alles tat, ihn von seinen Alltagssorgen zu befreien, waren sie in ihren Wesensarten zu unterschiedlich. Sie war eine mächtige Lebensmaschine - vor ihre schriftstellerische Arbeit gespannt wie der Ackergaul vor dem Pflug. Seine Aufmerksamkeit war dagegen nach innen gerichtet, aber nur auf sein eigenes Innere.

In dieser neunjährigen Beziehung publizierte George Sand ca. 30 Romane und Essays und Chopin komponierte und veröffentlichte etwa 30 Werke.

Chopin leidet sehr unter der Trennung. Eine Haarlocke von ihr bewahrt er bis zu seinem Lebensende in seinem Taschenkalender auf. Die freundschafltich Beziehung zu George Sands Tochter Solange bleibt dagegen bestehen.

1848 zieht Sand sich nach Nohant zurück. Dort stirbt sie 1876 im Alter von 72 Jahren.

Quellenangaben

Textauszügg aus "Frédéric Chopin, Briefe und Zeitzeugnisse", Hans Werner Wüst, ISBN 3-8311-0066-7

und aus dem Hörbuch "Frédéric Chopin - Ein Musikalisch-literarisches Portrait", Hans Werner Wüst, ISBN 3-937925-02-3

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